Der Ölpreisschock ist noch lange nicht ausgestanden. Was viele an der Zapfsäule bereits als dramatisch empfinden, könnte sich in Wahrheit erst als Auftakt erweisen. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommt selbst der Hinweis, dass im schlimmsten Fall Engpässe bei Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff möglich sind. Zugleich verweisen Analysten darauf, dass der Markt die realen physischen Folgen einer längeren Störung der Straße von Hormus bislang unterschätzt.
Bei einer länger anhaltenden Störung der Straße von Hormus wären Ölpreise von 150 bis 200 Dollar je Barrel möglich. Selbst wenn die Wasserstraße heute oder morgen wieder geöffnet würde, wäre die Krise nicht schlagartig vorbei. Neu beladene Tanker brauchen Tage und Wochen bis nach Europa, die Lieferketten bleiben unter Druck, und der Kampf um verfügbare Mengen würde weitergehen.
Umso absurder ist die Reaktion der Bundesregierung. Seit dem 1. April dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich erhöhen. Die Folge war keine Entlastung, sondern neue Rekorde und sprunghafte Preissprünge um die Mittagszeit. In Berlin diskutiert man nun Taskforces, Preisdeckel und Übergewinnsteuer, weigert sich aber weiter, endlich den größten staatlichen Kostenblock anzugehen. Anfang März 2026 bestanden die Preise bei Benzin zu rund 58 Prozent und bei Diesel zu rund 48 Prozent aus Steuern und Abgaben. Mit jedem teureren Liter kassiert der Staat also kräftig mit. Wer Bürger wirklich entlasten will, muss genau dort ansetzen. Alles andere ist bloß Verwaltung des Schocks.