Hatte die Bundesregierung womöglich frühzeitig Hinweise auf die Anschlagspläne gegen Nord Stream und hat trotzdem nichts unternommen? Berichte und ein jüngst erschienenes Buch sprechen von Warnungen ausländischer Dienste, von Informationen an westliche Partner und von dem Verdacht, dass auch deutsche Stellen vorab mehr wussten, als öffentlich eingeräumt wurde. Dies wäre ein politischer Skandal von historischem Ausmaß. Der Nord-Stream-Anschlag war kein Angriff auf irgendein Projekt, sondern auf zentrale europäische Energieinfrastruktur.
Genau deshalb braucht es jetzt lückenlose politische Aufklärung. Wer wusste wann was? Welche Hinweise lagen im Kanzleramt, beim BND und in den zuständigen Ministerien vor? Welche Schutzmaßnahmen wurden geprüft, welche unterlassen und warum wurde die Öffentlichkeit im Dunkeln gelassen? Sollte sich bestätigen, dass Warnungen vorlagen und dennoch nichts geschah, wäre das nicht nur skandalös, sondern womöglich auch justiziabel relevant. Deutschland hat Anspruch auf Wahrheit, Transparenz und vollständige Aufklärung.