Jede Gemeinschaft braucht Augenblicke, in denen sie sich darüber klar wird, wer sie ist, woher sie kommt und was sie an kommende Generationen weitergeben möchte. Herkunft, Sprache, Geschichte, Kultur und gewachsene Traditionen bilden ein Erbe, das nicht nur bewahrt, sondern auch bewusst angenommen werden muss.
Der Stolzmonat stellt die Frage nach dem Eigenen und dem was uns ausmacht in den Mittelpunkt. Er versteht sich als bewusster Gegenentwurf zu einer öffentlichen Debatte, in der nahezu jede skurrile Form kollektiver Identität sichtbar gefeiert werden darf, während deutsches Nationalbewusstsein unter Rechtfertigungsdruck gerät.
In einem souveränen Land sollte nationaler Stolz kein Anlass für Verkrampfung sein. Es müsste selbstverständlich sein, die eigene Fahne zu zeigen, die eigene Geschichte zu kennen und die eigene Kultur weiterzugeben. Die großen kulturellen und geistigen Leistungen der deutschen Geschichte werden zwar in Museen präsentiert, in Lehrplänen erwähnt oder bei Gedenktagen hervorgehoben, doch nur selten zu einem positiven Selbstverständnis verdichtet. Goethe, Schiller, Bach, Beethoven, Kant, Humboldt, die Romantik, die mittelalterlichen Städte, die Handwerkskunst, die Wissenschaftstradition und die soziale Ordnungskraft dieses Landes sind Teil unseres Erbes.
Eine Nation kann aber nicht dauerhaft allein aus Warnung, Schuld und historischer Selbstanklage bestehen. Sie braucht auch Zusammenhalt, Vertrauen, Weitergabe und eine Vorstellung von Zukunft.
Der Stolzmonat ist deshalb mehr als ein symbolischer Gegenakzent. Unsere Generation muss nicht länger um Erlaubnis bitten, ein positives Verhältnis zu Deutschland zu haben. Sie muss zeigen, dass aus Stolz Haltung wird und aus Haltung Bereitschaft, dieses Land nicht anderen zu überlassen.